At Home

Die gewohnten Seminare kommen nach wie vor nicht in Frage. In der augenblicklichen Situation kann ich nur für zwei Wochen planen – und das ist zu kurzfristig. Niemand weiß, ob nicht in vier Wochen wieder Kontaktverbote gelten.

Trotzdem sind die Betten gemacht und natürlich alles vorbereitet. Wenn jemand kurzfristig etwas machen möchte – im Prinzip geht’s. Nur halt eben vielleicht nicht in vier Wochen…

Seid ihr noch zu retten?

Derzeit kommt man sich vor wie in einem richtig, richtig schlechten Hollywood B-Movie. Wir haben ein hochansteckendes Virus gegen das es kein Mittel gibt und die Politiker wiegeln ab – so weit ist der Plot bekannt und auch ziemlich langweilig, das ist gefühlt tausend mal gedreht worden.

Abgeschmackt wird es dann, wenn der Bevölkerung jedes bisschen Hirn abgesprochen wird. Die eigentlich schon zu spät getroffenen Einschränkungen werden nicht befolgt und die Sicherheitskräfte lächerlich gemacht. (Die bayerische Polizei hat darauf hingewiesen, dass man sich jetzt halt nicht mehr mit einem Buch im Park auf eine Bank setzen kann. Das ist kein triftiger Grund, um draußen zu sein. Daraufhin gab’s einen Shitstorm auf Twitter.)

Die nächste Eskalationsstufe ist dann, dass eine Hexenhetze beginnt und Menschen, bei denen man vermutet, dass sie das Virus haben könnten, aus den Dörfern gejagt werden. Die Nummer ist so alt und in jedem miesen Plot drin. Und was passiert? Die ersten Intensivschwestern werden von der Security aus dem Supermarkt geworfen, weil man sie erkannt hat.

In Abidjan, Elfenbeinküste wurde ein Testlabor für Corona zerstört. In UK wurden drei Masten für 5G-Mobilfunk zerstört, weil irgendwelche Hirnis verbreitet haben, dass 5G für Corona verantwortlich ist. Und ja, es sind sogar ziemlich bekannte Hirnis – Irgendwelche „Celebrities“.

Dieser Film ist so schlecht. Alle Klischees werden abgefrühstückt. Ich warte drauf, dass sich ein Mob zusammenrottet und Kliniken anzündet, weil da Viren drin sind. Aber wahrscheinlich ist das schon passiert und ich hab’s nur noch nicht erfahren. Gezeigt wird es erst im Sequel – Corona II – die Rückkehr.

Derweil rennen die Leute draußen rum und halten es für eine Beschneidung ihrer persönlichen Freiheitsrechte, wenn sie jemand anspricht, dass sie doch bitte nach Hause gehen sollen. Besitzer von Lambos halten das für eine prima Idee, jetzt über die leereren Autobahnen zu heizen. Endlich mal das Spielzeug ausfahren. Fotografen machen sich in Scharen auf, die leeren Straßen zu knipsen und die Leute hängen in Parks rum und – ernsthaft – veranstalten Demos gegen die Ausgangsbeschränkungen. Ein bayerischer Katholik ist sogar auf die brillante Idee gekommen, gegen das Verbot von Gottesdiensten zu klagen. Wegen der Relichionsfreiheit.

Man steht vor den Ereignissen mit offenem Mund und glaubt es nicht. Offensichtlich wurde nicht nur am Gesundheitswesen und bei der Bevorratung zu viel gespart – sondern auch bei der Bildung. Es gibt einen Haufen Leute, die haben es gerafft. Die sind zu Hause und halten den Leuten, die draußen rumrennen müssen die Straßen frei, damit die mit der Situation klarkommen können. Aber offensichtlich gibt es zehn Prozent, die sich bei der Hirnverteilung hinten angestellt haben – wahrscheinlich haben sie es als Zumutung empfunden, dass ihnen das Hirn nicht frei Haus geliefert wird, während sie auf dem Sofa „Bauer sucht Frau“ ankucken.

Einmal wenn die Deppen ne gute Tat täten, wenn sie sich beim Binge-Watching alle 262 Folgen von Two-and-a-half-man reinziehen und dabei 13 Kästen Bier und 50 Pizzen von der Kneipe ums Eck vertilgen. Nein – plötzlich sind sie der Meinung, sie müssen unbedingt an die frische Luft. Macht das Fenster auf – und wenn ihr nicht mal das könnt, dann ruft beim Vermieter an, der kann euch ne Anleitung aufs Handy schicken.

Aber um Gottes Willen – schaut, dass dieser Film zu Ende kommt. Er ist nur noch zum Fremdschämen.